Leitbilder der Regionalentwicklung

Leitbilder des RROP

Fünf Leitbilder im Regionalen Raumordnungsprogramm beschreiben den Rahmen für die räumliche Entwicklung im Großraum Braunschweig.

Die räumlichen Leitbilder greifen die des bisherigen Regionalen Raumordnungsprogramms (RROP) 1995 auf und beruhen auf dem Grundsatz der nachhaltigen Raumentwicklung des Raumordnungsgesetzes (ROG), wonach die sozialen und wirtschaftlichen Ansprüche an den Raum mit seinen ökologischen Funktionen in Einklang zu bringen sind und so zu einer dauerhaften, großräumig ausgewogenen Ordnung führen.

Leitbilder haben vor allem eine Orientierungsfunktion, sie beschreiben grundsätzliche Zielrichtungen und stecken den Rahmen für das Regionale Raumordnungsprogramm und dessen Umsetzung durch die regionalen Akteure ab. Aus diesen Leitbildern werden die fachlichen Grundsätze und Ziele des RROP abgeleitet.

Das siedlungsstrukturelle Leitbild der dezentralen Konzentration


Arbeitsmarktentwicklung stabilisiert Folgen des demographischen Wandels

Die künftige Regionalentwicklung wird besonders durch den demographischen Wandel beeinflusst. In den nächsten 10 Jahren ist mit einem geringen Bevölkerungsrückgang zu rechnen. Die Altersstruktur verändert sich hin zu einem geringeren Anteil von Kindern und Jugendlichen bei gleichzeitig steigendem Seniorenanteil. Die erwerbsfähige Bevölkerung altert weiter, was zu Veränderungen des Nachfrageverhaltens und zu einem zunehmenden Wettbewerb um qualifizierte Nachwuchskräfte führt.

Die Großstädte werden wegen ihrer spezifischen Altersstruktur Einwohner verlieren. Andererseits gibt es im Umfeld der Großstädte Gemeinden, die wachsen. Schließlich werden sich Gemeinden im ländlich-peripheren Bereich auch weiterhin auf sinkende Einwohnerzahlen einstellen müssen. Mit Hilfe einer offensiven regionsweiten Arbeitsmarktpolitik gelingt es, Folgen des demographischen Wandels zu stabilisieren.

Stärkung der polyzentrischen Siedlungsstruktur

Zur Stabilisierung der Siedlungsentwicklung ist die Ausrichtung auf das System der Zentralen Orte sowohl bei wachsenden als auch bei rückläufigen Bevölkerungszahlen unverzichtbar. So wird der Erhalt und die Stärkung der im Großraum Braunschweig gewachsenen polyzentrischen Siedlungsstruktur gewährleistet. Dazu wird das siedlungsstrukturelle Leitbild der dezentralen Konzentration verfolgt. Es setzt grundsätzlich auf eine Sicherung und Entwicklung der gewachsenen Siedlungskerne und wird die Funktionen der zentralen Orte als effiziente Versorgungssysteme, wirtschaftliche Entwicklungspole und als Verknüpfungspunkte eines integrierten Verkehrssystems stärken.

In strukturschwachen und vom Bevölkerungsrückgang gefährdeten Räumen sind die zentralen Orte diejenigen Orte, die eine Mindestversorgung der Bevölkerung gewährleisten bzw. Orientierungspunkte für ein politisches Gegensteuern bieten können.

Teilräumliche Besonderheiten werden bei der Umsetzung des Leitbildes der dezentralen Konzentration berücksichtigt. Das Zentrale-Orte-Konzept erfährt eine Flexibilisierung im Hinblick auf die differenzierte Siedlungsentwicklung im Großraum Braunschweig. Es wird ergänzt durch die Festlegung von Standorten mit besonderen Funktionen sowie gegliederten Siedlungsachsen entlang des schienengebundenen Personennahverkehrs und leistungsfähiger RegioBuslinien mit einer angepassten Entwicklung im Umfeld der Stationen und Haltestellen.

Ausgeglichene Einzelhandelsentwicklung sichert die zentralen Standorte

Eine regional abgestimmte Einzelhandelsentwicklungspolitik führt zu einer attraktiven Handelslandschaft. Sie sichert die grundzentralen Versorgungskerne und stützt eine ausgewogene Nahversorgung. Versorgungsdisparitäten der Gemeinden werden untereinander abgebaut. Die mittel- und oberzentralen Handelsfunktionen der Innenstädte werden gestärkt.

Das wirtschaftsstrukturelle Leitbild der Wissenschafts- und Technologieregion


Kooperative Wirtschafts- und Innovationspolitik

Die Vielfalt und den Ausbau der Industrie- und Forschungsregion, der Dienstleistungs- und Freizeitregion einschließlich Tourismus sowie der Bildungs- und Kulturregion fördern die Akteure im Großraum Braunschweig. Traditionelle Wirtschaftszweige werden mit neuen Branchen, innovative Forschungsschwerpunkte mit vorhandenen Stärken verknüpft. Die vorhandene hohe technologische Leistungsfähigkeit wird weiter ausgebaut. Sowohl in Bezug auf die Forscherdichte, als auch den Anteil der Forschungs- und Entwicklungsaufgaben am Bruttoinlandsprodukt nimmt der Großraum Braunschweig eine europäische Spitzenposition ein und unterstützt die Anstrengungen zur Entfaltung endogener Potentiale sowie der Clusterpolitik.

Stärkung des Wirtschaftsraums

Eine zukunftsfähige und innovative Regionalentwicklung gewährleistet attraktive Lebens- und Standortbedingungen im Großraum. Sie schafft durch Informationen über planungsrelevante Standortbedingungen und abgewogene Zielaussagen verlässliche Rahmenbedingungen für wirtschaftliches Handeln und stärkt dadurch den ganzen Wirtschaftsraum. Die Umsetzung dieses raumordnerischen Leitbildes wird durch ein gegenüber der heutigen Situation deutlich verbessertes Regionalmarketing begleitet.

Mit der Metropolregion zu mehr Internationalität

Die Mitwirkung und Mitgestaltung der Metropolregion Hannover - Braunschweig - Göttingen - Wolfsburg trägt sowohl zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Region als auch zur Erschließung von Synergien und Kooperationspotentialen und somit auch zur Verbesserung der Innovationsfähigkeit bei. Die Verteilungs- und Bündelungsfunktion (Gateway-Funktion) der Metropolregion wird durch Ausbau der technischen Infrastruktur auf internationales Niveau gebracht.

Das verkehrsstrukturelle Leitbild der umweltgerechten Mobilitätsbewältigung


Systemübergreifende Verkehrsmittelwahl

Einem steigenden Mobilitätsbedürfnis wird durch den Individualverkehr (Kraftfahrzeuge aller Art, Fahrrad) und durch einen bedarfsgerechten Öffentlichen Personennahverkehr (Bus, Bahn) Rechnung getragen. Die Sicherung und Entwicklung der Verkehrssysteme erfolgt in Anpassung an deren verkehrswirtschaftlicher Bedeutung für eine systemübergreifende Mobilitätssicherung und unter Berücksichtigung der teilräumlichen Verhältnisse im Großraum Braunschweig sowie der demographischen Rahmenbedingungen. Regional bedeutsame Aus- und Neubauprojekte der gesamten Verkehrsinfrastruktur werden vorangetrieben. ÖPNV und Radverkehr tragen zur Entlastung des IV bei.

Leistungsfähiger ÖPNV in den urbanen Kernen als interregionaler Wettbewerbsfaktor

Mit dem zunehmenden motorisierten Individualverkehr in den städtischen Kernräumen des Großraums Braunschweig gewinnt der Umweltverbund an Bedeutung. Dabei stellt der ÖPNV eine attraktive und volkswirtschaftlich tragfähige Alternative zum Individualverkehr dar und wird auch als interregionaler Wettbewerbsfaktor hinsichtlich einer zukunftsfähigen Mobilitätsinfrastruktur verstanden.

Partnerschaft von IV und ÖV im suburbanen Raum

Im suburbanen Raum wird eine Partnerschaft des Individualverkehrs (Auto, Fahrrad) und des ÖPNV dazu beitragen, die vielfältigen Mobilitätsbedürfnisse in einem Mix aus privatem Transport und öffentlicher Verkehrsleistung zugunsten einer effektiven und umweltgerechten Mobilitätsbewältigung zu erfüllen.

Differenzierte Angebote im ländlich peripheren Raum

Die große räumliche Ausdehnung, die zu überwindenden Distanzen, die geringe Bevölkerungsdichte und die gleichzeitig rückläufigen Bevölkerungszahlen im ländlich peripheren Raum erfordern eine differenzierte Mobilitätsbewältigung. Sie bedingt einen den spezifischen Erfordernissen angepassten ÖPNV-Linienverkehr. Bei der Erfüllung der vielen unterschiedlichen Mobilitätsbedürfnisse der Bevölkerung gewinnen individuelle Gestaltung des Verkehrs mit bedarfsorientierten ÖPNV-Systemen und bürgerschaftliches Engagement an Bedeutung.

Das Leitbild zur integrierten Siedlungs- und Landschaftsentwicklung


Lebensqualität durch Sicherung und Aufwertung der Freiräume steigern

Die regionalen Freiräume ergänzen die Siedlungsbereiche, sie bieten Raum für Land- und Forstwirtschaft, Tiere und Pflanzen, Gewinnung von regenerativen Energien und für die Erholung. Die regionalen Freiräume lassen Frischluftströme entstehen und verbessern das Kleinklima in den Städten. Darüber hinaus bietet die Vielfalt der Freiräume zwischen Harz und Heide im Großraum Braunschweig seinen Bewohnern einen attraktiven und abwechslungsreichen Lebensraum. Die durch Freiräume geprägte Kulturlandschaft trägt als bedeutender "weicher" Standortfaktor zur Steigerung der Wohn- und Lebensqualität im Großraum Braunschweig bei. Landschaftsbeeinträchtigende Nutzungen wie Windenergieanlagen oder Anlagen zur Massentierhaltung werden in geeigneten Räumen gebündelt, um die übrigen Räume natur- und sozialverträglich freizuhalten.

Zukunftsfähige Freiraumentwicklung gewährleisten

Im Mittelpunkt der nachhaltigen Regionalentwicklung steht die Verantwortung für kommende Generationen. Hierfür werden die natürlichen Lebensgrundlagen dauerhaft gesichert, geschützt und weiterentwickelt. Die großräumige ökologische Vernetzung insbesondere entlang der regional bedeutsamen Fließgewässer sichert ein funktional zusammenhängendes Netz ökologisch bedeutsamer Freiräume. Maßnahmen und Projekte des Naturschutzes werden in Anlehnung an das Regionale Freiraumkonzept in geeigneten Teilräumen zur Sicherung und Aufwertung des Naturhaushalts konzentriert.

Das kooperative Leitbild der regionalen Verantwortungsgemeinschaften


Weiterentwicklung der Kooperationsstrukturen

Die Hinwendung zu weniger Staat und mehr Eigenverantwortung setzt für eine positive Zukunftsgestaltung den Ausbau bestehender und den Aufbau neuer Kooperationen bei gleichzeitig verstärktem Bürgerengagement im Großraum Braunschweig voraus. Mit der integrierten Regionalentwicklung und ausgeprägten Kooperationskultur wird die Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Heimatraum, dem Großraum Braunschweig, gestärkt. Gleichzeitig werden vermehrte kommunale Kooperationen im Großraum bei Planungen, im kommunalen Verwaltungsvollzug und bei der Daseinsvorsorge Synergieeffekte erzielen.

Die Regionalplanung berücksichtigt in den relevanten Planungsprozessen durch Einbindung der an der Regionalentwicklung interessierten Öffentlichkeit die Belange zukünftiger Generationen. Die spezifischen Interessen und Lebenssituationen von Frauen und Männern zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben werden dabei besonders beachtet (Gender Mainstreaming).