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30 Minuten reichen zum Bummeln
In der Innenstadt von Lebenstedt regiert der Geiz – Furcht vor der Regiostadtbahn

Von Ingo Kugenbuch

Kaum irgendwo ist Geiz so geil wie in der Innenstadt von Salzgitter-Lebenstedt. Während Traditionsgeschäfte mit hochwertigen Waren aufgeben, boomen Billig-Läden, in denen sich auch für ein paar Münzen viele bunte Sachen kaufen lassen. Gerade hat Mäc-Geiz sein Geschäft in Lebenstedt von 340 auf 480 Quadratmeter vergrößert. Da war das Unternehmen mal nicht geizig: 200 000 Euro hat es in den Umbau gesteckt.

Auf die sparsamen Kunden setzt auch das im Juni 2008 eröffnete Einkaufszentrum City-Carrée. Jetzt, in der Weihnachtszeit, ist es mit einer riesigen roten Schleife verpackt wie ein gigantisches Geschenk. Während die Kinder draußen Esel, Ponys und Lama streicheln und mit Futter für einen Euro die Tüte versorgen, wird in der Ladenpassage vor allem Kleidung für junge Kundschaft mit kleinem Geldbeutel angeboten.

Das City-Carrée wurde von Politikern, Kunden und den Kaufleuten in der Fußgängerzone ersehnt. Das gelbe Betongebäude mit der so markant leuchtenden roten Welle an der Straßenseite sollte den Niedergang der Innenstadt stoppen. Darum ließ sich auch die Stadt nicht lumpen und spendierte die Renovierung der Platzes vor dem Einkaufszentrum sowie eine Verengung der vierspurigen Straße, die City-Carrée und Fußgängerzone trennt.

"Das City-Carrée wird gut angenommen", sagt Eduard Hoffmann aus dem Vorstand der rührigen Werbegemeinschaft City-Lebenstedt. Ein Abstecher dorthin gehöre mittlerweile zu einem Stadtrundgang dazu. Das Einkaufszentrum werde auch in alle Veranstaltungen der Kaufmannschaft – Automeile, Herbst- oder Weihnachtsmarkt – mit eingebunden. Dann ist die Innenstadt regelmäßig proppenvoll.

Hoffmann wünscht sich jedoch, dass die geschätzten 40 Prozent auswärtiger Kunden, die die 90-minütige freie Parkzeit im Carrée nutzen, auch einen Abstecher rüber in die Fußgängerzone machen. Auch wenn er zugeben muss: "Die City einmal rauf und runter – das schafft man in einer halben Stunde."

Es fehle zum Beispiel ein Herrenausstatter, sagt Hoffmann. Und nicht nur das: "Nachdem vor Jahren Hertie, Kaufhaus Schwager, Peek und Cloppenburg, das Damenmode-Geschäft Ripken und die Papeterie Behrens geschlossen haben, kann man hier weder hochwertiges Geschirr noch Tischwäsche, edle Schreibgeräte oder Damenkleidung im mittleren Preissegment kaufen", sagt eine Lebenstedterin, die versucht, alles, was sie braucht, vor ihrer Haustür zu besorgen.

Schon jetzt fahren die Salzgitteraner zum Einkaufen häufig nach Braunschweig. Kommt tatsächlich die geplante Regiostadtbahn, dann könnte das der Todesstoß für die City sein, fürchtet die Kaufmannschaft. Denn dann können die Menschen in Lebenstedt in die Bahn steigen und werden direkt bis vor das Braunschweiger Schloss chauffiert. Bequem und für wenig Geld. "Shopping in Elegance" – das klingt in Salzgitter wie eine Drohung.

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