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Bosse: Wulffs Aussagen sind nebulös SPD-Landtagswahlkandidaten Marcus Bosse und Stefan Klein am Lesertelefon der Salzgitter-Zeitung SALZGITTER/BADDECKENSTEDT. "Stefan Klein und ich ziehen an einem Strang", sagt Marcus Bosse. Der SPD-Landtagswahlkandidat (Wahlkreis 10/Süd) und sein Kollege Klein (Wahlkreis 11/Nord) standen den Bürgern am Lesertelefon der SZ Rede und Antwort. Hauptthema: die Gesamtschule. Zwei Leser wollten allerdings ihren Namen nicht in der Zeitung sehen. So ein 50-jähriger Mann aus Hallendorf (Name der Redaktion bekannt). Er fragt: Wie sieht Ihr Konzept hinsichtlich der Gesamtschule aus? Klein: Der Rat hat beschlossen, dass die Verwaltung den Bedarf ermitteln soll. Die Eltern werden Anfang 2008 befragt. Wenn Bedarf besteht, soll beim Land eine Sondergenehmigung beantragt werden. Ich vermute, dass bis zum Start zwei Jahre vergehen könnten. Wo soll die Gesamtschule stehen? Klein: Die Verwaltung soll Vorschläge machen. Ich vermute, dass das Zentrum Lebenstedt eine Gesamtschule benötigt. Allerdings muss zunächst das Schulgesetz geändert werden, denn die CDU hat 2003 ein Einrichtungsverbot für Gesamtschulen festgezurrt. Aber in Braunschweig und Hildesheim gibt es doch Gesamtschulen. Klein: Ja, aber sie sind vor 2003 entstanden. Mit dem Ratsbeschluss haben wir jedoch ein Signal gesetzt. Wenn wir die Wahl gewinnen, werden wir das Verbot aufheben. In Braunschweig gibt es Wartelisten, mehr als 300 Schüler sind dort abgewiesen worden. Wie ist die Gesamtschule vor dem Hintergrund zu sehen, dass etliche Schulstandorte gefährdet sind? Klein: Deswegen mache ich mir keine Sorgen, die Gesamtschule bringt alles unter ein Dach. Jeder Schüler soll dort den Abschluss machen können, der seinen Fähigkeiten entspricht, und zwar möglichst in der Nähe seines Wohnorts. Karin Becker (57), Sehlde: Herr Bosse, wird es beim Thema Gesamtschule eine Konkurrenzsituation zwischen dem Landkreis Wolfenbüttel und der Stadt Salzgitter geben? Bosse: Nein. Stefan Klein und ich ziehen hier an einem Strang. Der Bedarf wird hier wie dort in unterschiedlichen Befragungen ermittelt. In Wolfenbüttel werden wir Mitte Januar im Schulausschuss beantragen, den Bedarf zu ermitteln. Die Eltern werden informiert, ich unterstelle einmal, dass hier der Bedarf vorhanden sein wird, ebenso in Salzgitter und den anderen Kreisen, in denen es schon Gesamtschulen gibt. Die Aussagen von Ministerpräsident Wulff sind nebulös. Wir wollen die Schulen dort, wo es Bedarf gibt. Hier muss sie eingerichtet werden als weiteres Angebot. Katrin Brandes (42), Hohenassel: Welche Vorstellungen gibt es beim Thema Gesamtschule hinsichtlich der Zuordnung der Samtgemeinde Baddeckenstedt? Bosse: Man muss sich darüber einig sein, dass die Baddeckenstedter in Salzgitter zur Schule gehen können. Wie erwähnt, soll es keine Konkurrenzsituation geben. Ich hoffe, dass Sie das auch so umsetzen können. Annette Haupt (43), Heere: Wir wünschen uns auch für unsere Kinder einen Radweg zwischen Sehlde und Heere. Hier sind auch Fußgänger unterwegs und die Kindergärten beider Orte vernetzt. Außerdem liegt an der Straße auch ein Blumenfeld zum Selberpflücken. Die Autos fahren bedrohlich nahe vorbei. Bosse: Das ist eine gute Anregung, ich nehme das mit. Wie sehr die Straße frequentiert ist und ob es in den angebundenen Ortschaften Kindergärten gibt das sind schon zwei wichtige Kriterien im Radwegeplan. Eine Lebenstedterin (62, Name der Redaktion bekannt): Ich habe nicht vor, wieder zur Wahl zu gehen. Es ist nicht schön, was einem so alles von der Politik teilweise geboten wird, vieles finde ich verlogen. Was ich mir wünsche, sind kostenfreie Parkplätze in Lebenstedt. Kaffee trinken zu gehen und Parkgebühren zu zahlen kann ich mir nicht leisten. Außerdem möchte ich, dass die Regiostadtbahn kommt. Klein: Ich bin für die Regiostadtbahn, sie wird 2012 auch kommen. Was die Parkplätze angeht: Im fertigen Citycarrée in Lebenstedt wird es auch eine Tiefgarage geben. Wenn die Plätze kostenfrei sind, dann muss man in der Stadt auch reagieren und ebenfalls gebührenfreie Parkplätze anbieten. Man muss die Einzelhändler in der Innenstadt davor schützen, dass die Menschen dann nur im Citycarrée einkaufen. Beim Thema Kinderarmut wird immer nur über Hartz-IV-Empfänger gesprochen und nicht darüber, dass auch viele Alleinverdienende zu kämpfen haben, weil Kinder teuer sind. Mein Sohn hat drei Kinder, ich muss da zubuttern. Klein: Wir reden schon über jene Menschen, deren Lohn nicht zum Leben reicht. Deshalb fordern wir ja auch den Mindestlohn. Und zum 1. August werden die Kindergartengebühren in Salzgitter abgeschafft. Aber mein Sohn wohnt hier nicht mehr. Die Familie ist weggezogen, weil es im Landkreis Peine billigeres Bauland gab. Klein: Ja, beim Thema Bauland hat die Stadt die Entwicklung verschlafen. Für Familien sollte es mehr Eintrittsvergünstigungen geben, zum Beispiel in Bädern und Kinos. Klein: Salzgitter soll kinder- und familienfreundlich werden. Wir sind da auf einem guten Weg. Und ich möchte Ihnen empfehlen, auf jeden Fall zur Wahl zu gehen. Heinz Heusmann (Bürgermeister der Gemeinde Burgdorf): Besteht angesichts der künftigen Beitragsfreiheit in Salzgitter die Gefahr, dass anderswo die Kindergärten leer stehen? Es gibt große Bedenken hinsichtlich einer solchen Entwicklung. Unsere Investitionsmöglichkeiten wären eingeschränkt, wenn wir für Kindergärten keine Beiträge erheben würden. Bosse: In Salzgitter werden nur Kinder in Kindergärten gehen, die hier auch wohnen. Abgesehen davon sagt unser Wahlprogramm, dass landesweit alle Kindergärten beitragsfrei sein sollen. Dann kommt es nicht zu Konkurrenzsituationen. Gertrud Wilke (42), Salzgitter-Bad: "Was können Sie tun, um mein Problem lösen zu helfen?", fragt sie Stefan Klein. (Hintergrund: Die Familie Wilke hatte in Bad ein Haus gekauft, das auf einer Müllhalde errichtet worden war die SZ berichtete mehrfach darüber.) Klein: Es ist die Frage, ob der Vorbesitzer des Hauses über die Belastung des Bodens informiert wurde. Ich habe bei der Stadt nachgefragt und von der Verwaltung bereits eine mündliche Auskunft bekommen, die schriftliche steht noch aus. Nun werde ich auch auf der Grundlage der vorhandenen Unterlagen noch einmal nachhaken. Ich bleibe da am Ball. |